Fehlstart in der Erinnerungskultur

demo schimmelmann

Protest gegen das Schimmelmann-Denkmal 2007 (Foto:HMJokinen)

Hamburg 9.7.2014 - Selbstorganisationen Schwarzer und afrikanischer Menschen sowie
postkoloniale Initiativen protestieren gegen ihren Ausschluss bei der Erstellung des aktuellen Senatskonzepts zur Aufarbeitung von Hamburgs „kolonialem Erbe“.

Der Hamburger Senat hat gestern in seiner Stellungnahme an die Bürgerschaft in
Grundzügen ein geplantes Erinnerungskonzept zur Aufarbeitung der städtischen
Kolonialgeschichte vorgestellt.

Grundsätzlich begrüßen die Verbände Schwarzer und afrikanischer Menschen in
Deutschland sowie Hamburgs postkoloniale Initiativen dieses bundesweit erste Konzept
zur Aufarbeitung der kolonialen Stadtgeschichte, das sie selbst initiiert und seit Jahren
eingefordert haben.

Zugleich protestieren sie mit Nachdruck gegen den nicht hinnehmbaren Ausschluss ihrer
Vertreter_innen aus der Entwicklung dieses Konzepts, das entsprechend wenig Raum für
die zukünftige Beteiligung der Nachfahren kolonisierter Menschen und kritischer
Geschichtsinitiativen zulässt.

Ginnie Bekoe, Beiratsmitglied der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISDBund)
erklärt: „Dass den Nachfahren der Opfer von Kolonialismus und Rassismus die
Mitarbeit an dem von uns selbst angeregten Konzept verwehrt wird, ist ein Skandal.
Deutlich wird dabei, dass die Perspektiven von Schwarzen Menschen und People of
Colour auf Geschichte und Gegenwart unserer Stadt bis heute ganz bewusst übergangen
werden.“

HMJokinen vom Arbeitskreis Hamburg Postkolonial dazu: „Herausgekommen ist ein
städtisch verordnetes Erinnerungskonzept, ein Top-Down-Modell ohne Gestaltungs- und
Partizipationsmöglichkeiten für Initiativen Schwarzer Menschen und zivilgesellschaftliche
Akteure. Wir fordern den Senat erneut auf, diese umgehend zu einem Runden Tisch
einzuladen, an dem gemeinsam ein Konzept erarbeitet werden kann.“

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